5. Internationale Reenactormesse in Minden

Auf was sparen Menschen? Ein Auto? Das eigene Haus? Eine Motorjacht?
Und worauf spart der Reenactor? Na auf die Reenactormesse in Minden!
Es gibt kaum einen anderen Ort wo man so viel Geld für so wenig ausgeben kann.

Doch erstmal Grundsätzliches. Was ist die Reenactormesse in Minden?
Zum ersten Mal kam im Jahr 2011 die Messe nach Minden. Damals als Teil des Marketing- Projektes „Minden- erleben“ kamen die französischen Veranstalter nach Minden um dort ihre, in Frankreich schon etablierte, Messe zum ersten Mal zu veranstalten. Bis 2015 fand die Messe vor dem Preußenmuseum im Zentrum statt. Im Eintrittspreis von 6€ war dann auch der Eintritt des Museums enthalten. Zielgruppe für diese Verkaufsveranstaltung sind nach wie vor Mittelalterbegeisterte, sowie Reenactors, Geschichtsinteressierte, Fantasy/ LARPER, aber auch Opa mit Enkel. Die Messe selbst hat den Hauptteil in einem großen Festzelt, so dass man auch bei Regen und Kälte noch sehr gut shoppen gehen kann. Geschätzt ist die Größe des Zeltes ungefähr 1- 1 ½ Fußballfeld groß. Zudem gibt es auch einen Außenbereich der hauptsächlich der Stärkung durch totes Tier oder durch Einnahme von Flüssigkeiten mit und ohne Umdrehung dient. Dort gibt es dann noch vereinzelt Händler sowie auch den Bereich für die Vorführungen. Ob man einen mittelalterlichen Baukran nachgebaut hat oder ein Katapult. Einzelne Gruppen die dort ihr Lager aufgeschlagen haben, laden zum Schauen und Staunen ein.

Internationale Händler aus England, Frankreich, Polen, Tschechien, Holland und Deutschland bieten auf ihren Ständen alles an was das Herz von Wikinger-Willy bis Preußen-Peter verlangt. Mehrere Stände mit Stoffbahnen von leichter Baumwolle bis hin zu feinem Brokat. In sämtlichen Farben des Regenbogens. Mit und ohne Muster, pflanzengefärbt bis extra kratzig. Waffenhändler die ihre Klingen in allen Formen und Größen anbieten. Vom Phallusdolch bis hin zur 2 Meter großen und 5kg schweren Streitaxt mit Doppelblatt. Schuhe aus allen Zeiten und Formen. Schwerter, Schilde, Lanzen und Ritterrüstungen gibt es in Hülle und Fülle. Ledertaschen und Beutel sowie andere Lederwaren wurden feilgeboten und verkauft. Ganze Händler die sich spezialisiert haben auf Gürtelschnallen, Beschläge und Ziernieten des Frühmittelalters sind begehrte Ziele der kaufwütigen Besucher. Und davon gibt es immer genug. Fertige historische Gewandungen von einfacher Tunika bis hin zum üppigen Frauenkleid des Rokoko wechselten den Besitzer und es wurden viele Kontakte zwischen Schneider und Kunden geknüpft und so mancher Auftrag wird noch mit Handschlag abgeschlossen.

Viele Händler bieten dabei eher die Rohmaterialien wie Lederhäute, die oben genannten Stoffbahnen und Kleinteile an, da der Großteil der Besucher ihre Gewandungen und Ausrüstungen selbst machen und sich so für die kommenden Winter ausstatten. Im Rahmenprogramm treten Musikbands auf die alte historische Musikstücke auf historischen Instrumenten vorspielten. Auf der Hauptbühne führen Kampfsportler ihre Kampfkunst mit und ohne Waffen vor oder Jongleure bewegen ihren Körper rhythmisch zur Musik und schwingen dabei mit Messer und Kugeln.
In den letzten Jahren wurde auf der Messe auch der in Deutschland einzigartige „Reenactor- Preis“ verliehen. Eine Art „Oscar“ für historische Darsteller und Gruppen. Nominiert kann jeder werden, ob Einzeldarsteller oder sogar ganze Gruppen. Eine internationale Jury aus Militärhistorikern, Geschichtswissenschaftler und andere kluge Köpfe fallen dann ihr Urteil und verleihen den Preis auf der Messe. Die Gewinner haben noch Möglichkeit auf der Messe selbst sich und ihre Darstellung zu präsentieren.

Dieses Jahr fand die 5. Reenactormesse nicht mehr am Preußenmuseum sondern auf der Kanzlers Weide statt. Warum es den Wechsel der Lokalitäten gab, ist nicht bekannt. Aber man kann sagen dass das neue Gelände mehr Platz bietet und sich eher positiv auswirkt. Auch wenn kein Museum mehr gibt in dem man noch spazieren kann. In diesem Jahr ist der Außenbereich auch auf ungefähr das Doppelte gewachsen im Vergleich zum letzten Jahr. Auch das Hauptzelt ist um mindestens 15% gewachsen was dem einen oder anderen Besucher nur noch mehr in der Geldbörse zwickte.

Von unserem Verein waren vor Ort die Eheleute Andreas und Jenny Pütz, Eheleute Andreas und Michaela Storms, Jacobiter Jan mit Freundin und Tim mit Freundin Daniela. Die 2 ½ Stunden Autofahrt von Eschweiler nach Minden vergingen schneller als gedacht und das Wetter war für den Oktober mild und angenehm. Einen vollen Parkplatz später standen wir dann im Gedränge der Menschen. Viele der Besucher waren in historischen (oder weniger historischen) Klamotten dort und auch Tim und Familie Pütz trugen typisch schottisch ihr Plaid und blaues Bonnet. Wir wussten was auf uns zu kam und waren dementsprechend vorbereitet. Nicht so Familie Storms die zum ersten Mal die Messe besuchten. Schon nach 3 Ständen hat sich Andreas Storms sein erstes Basket Hilt Breitschwert gekauft. Quasi Tim vor der Nase weg, der da auch schon ein Auge, oder zwei, drauf geworfen hatte. Dafür schnappte sich Tim und Andreas Pütz am Buchstand direkt neuen Lesestoff weg. Bücher über schottische Waffen, Fechtkunst und Schlachten sind jetzt im Besitz der Beiden. Ein paar Stände weiter wurde fachgesimpelt über Klingen, Dolche und anderes Spielzeug für dem Herren. Die Frauen stöberten indes an den Stoffständen rum und Daniela fand auch bald schon ihre erste Errungenschaft. Eine süße kleine Stoff- Fledermaus mit grüner Schleife sollte es sein. Nach einer kleinen Stärkung am Getränkestand schlossen sich die Stormsens der lustigen Truppe aus Aachen an und kurze Zeit später musste Andreas Storms auch schon los, zur Bank neues Bargeld holen.

Lange kann man an den Ständen stehen und sich die Waren angucken. Es gab eine Hand voll Stände, da standen dann die Männer zusammen und beratschlagten sich nun welche Patronentasche besser zum Black Watch Regiment passte oder welche Schutzhandschuhe besser sind. Im Außengelände angekommen ist Jenny schnell an einem Gewandungsstand hängen geblieben und probierte einen neuen Mantel an aus grauem Lodenstoff mit Tartan Applikationen. Dieser gefiel ihr so gut, dass sie sich so einen Mantel in Ihrer Größe anfertigen lassen will. An diesem Stand merkte man auch das der „Outlander“- Trend Einzug hält. Es gab dort schon die Kleider von der Outlander TV- Serie zu Kaufen und selbst die Standbesitzerin trug solch ein Kleid. Warten wir mal ab man wo sich dieser Trend noch hin bewegt.

Nach mehreren Stunden des Shoppings, bummeln und Flanieren musste im Außenbereich noch eine Stärkung her. Nachdem man die erste Fuhre an eingekauften Waren zum Auto brachte umso wieder Platz zu haben, ging es fröhlich weiter. Man traf auf alte Bekannte von Flos Scotiae und traf auch neue Leute und so verging der Tag auch recht fix und gegen 18 Uhr machte man sich wieder auf dem Weg nach Hause. Den Kofferraum voller Ideen und schöner Sachen. Denn, der nächste Winter kommt bestimmt!

Fazit der Messe:
Nächstes Jahr wieder! Und jetzt wird sich extra ein eigenes Sparschwein angeschafft das man dann hin und wieder füttert umso wieder genug Geld zu haben um sich wieder viele schöne Dinge zu kaufen. Denn was will ich schon mit einem Motorboot, wo ich sowieso keine Badewanne habe!
In den sozialen Netzwerken hört man schon die ersten negativen Stimmen die sagen das die Messe immer mehr zu einem 08/15 Mittelaltermarkt wird, wo der Grob-Mittelalter- Fan immer mehr Einzug hält. Teilweise kann ich diesen Stimmen zustimmen. Als Veranstalter ist es immer schwer gute Händler zu finden ohne zu viel Kitsch und Kram zu haben. Die Reenactor Messe war schon in den letzten Jahren eher dafür bekannt gute Waren anzubieten, die weit über den „normalen“ Romantik-Mittelalter-Kitsch sind. Qualität stand dort immer über Quantität! Aber solange ich noch meine Händler habe, wo ich meine bevorzugten Waren bekomme, übersehe ich gerne diese anderen Stände und hab noch meinen Spaß auf der Messe.