City Tour durch die City Chambers im Civic Centre

Vor kurzem war ich mal wieder auf einer City Tour. Ich hatte schon mal darüber berichtet, dass ich mir eine Jahreskarte für diese Touren gekauft hatte. Dieses Mal war es eine Tour in den City Chambers, Rathaus, von Newcastle. Diese Tour musste man vorbuchen, da es nur eine begrenzte Teilnehmerzahl gab. Das Gebäude wurde in den 1960er Jahren vom Stadtarchitekten entworfen. Damals ging das noch alles ohne Ausschreibungen. Da man hier keine Kosten und Mühen gescheut hat sind ganz edle Materialien verwandt worden, aber wenn ich ehrlich sein soll sieht es immer noch aus wie ein typische 60er Jahre Bausünde. Im Großen und Ganzen sollte das Gebäude auch einige historischen Bauten der Region Tribut zollen. Zum einen ist es mit einem großen quadratischen Innenhof angelegt worden, der an einen Kreuzgang erinnern soll, da es hier oben sehr viele Klöster gab. Die West Seit wurde im Erdgeschoß freigehalten, zum Durchgehen, und wurde mit einer Tonnendecke mit mehreren Gewölben ausgestattet. Auf der gesamten Länge der Gewölbe gibt es Eisentore die im Boden versenkt werden und jeden Abend hochgefahren werden. Im Innenhof selber gibt es eine Rasenfläche und einen Springbrunnen mit einer Skulptur aus 5 Gänsen die die nordischen Länder darstellen sollen.

An der Nordwest Seit gibt es einen Appendix. Dieser sieht aus wie ein Ufo oder ein riesen großer Curling Stein ohne Henkel. Der Curling Stein befindet sich im ersten Stock und wird von vielen dünnen Metallsäulen getragen. Doch dadurch sieht es aus wie ein grauenvoller Kerker denn dahinter ist es Furchtbar dunkel und das ist auch der typische Ort wo die Halbstarken rum lungern. Interessanterweise ist das auch noch der Haupt- und Ehreneingang, der nur für ganz besondere Anlässe geöffnet wird. Die Geordies sind seltsam. Zwischen diesem Ufo und der West Seite mit der Tonnendecke gibt es einen weiteren Brunnen. An der Wand ist in ca. zwei Metern Höhe eine große Metall Schale angebracht. Darüber hängt in sechs Metern Höhe eine 2 Tonnen schwere Metallskulptur. Dies ist eine Abbildung des hiesigen Flussgottes: The River God of the Tyne. Jeder größere Fluss im UK hat so einen und wer alle mal sehen will muss nach London ins Somerset House gehen denn dort sind sie alle ausgestellt. Der Gott am Civic Centre hält die eine Hand über den Kopf und aus der fließt das dann über den Körper in die Schale. Zumindest war das der Plan. Durch die ganz tollen Materialien und einen nicht mitdenkenden Architekten können die Brunnen nicht eingeschaltet werden. Der Boden in den Bereichen ist sehr rutschig sobald er nass wird und damit sich keiner verletzt bleiben die Brunnen aus. Tolle Idee war das!

Drinnen ging es dann weiter mit dem Prunk. Marmor aus Italien und Portugal, Holzarbeiten aus Afrika und so weiter und so weiter. Wir wurden dann in den Bankettsaal geführt. Dieser wurde im Mittelalterlichen Stil gebaut und hatte somit nur Schiesscharten artige Fenster. Mein erster Gedanke war: Mann ist das ein riesiger Sarg. Aber ganz toll ist, dass an den langen Seitenwänden die Namen aller Bürgermeister und Stellvertreter seit dem Mittelalter eingemeißelt sind. An einer Kopf Wand werden auch noch die Freeman eingemeißelt. Diesen Titel vergibt das Council als spezielle Ehrung an besondere Personen oder Vereinigungen. Zum Beispiel: An den Newcastle United Football Club oder Nelson Mandela (bereits 1984) oder (interessanterweise immer noch vorhanden) Bob Geldorf. Danach sind die wir in den Sitzungssaal des Councils gegangen. Dieser ist das eben erwähnte Ufo. Bleibt zu erwähnen, dass das einzige Fenster in der Decke war, aber weil das mal undicht war wurde es dicht gemacht und somit gibt es in diesem Raum kein natürliches Licht. Durch die ovale Form hingegen ist die Akustik echt toll und die Sitze sind ziemlich gemütlich.

Weiter ging es dann in den Silver Room. Und genau das ist es auch, ein Raum voller Silber. Dort werden in Vitrinen verschiedene Kostbarkeiten der Stadt ausgestellt und das Meiste ist aus Silber. Dort kann man auch das „Zepter“ und das Schwert des Bürgermeisters sehen ohne die eine Council-Sitzung nicht stattfinden kann. Für beide gibt es extra Halterungen im Sitzungssaal. Jetzt kamen wir zum Höhepunkt der Tour und das ist wörtlich gemeint. Denn wir sind auf den Turm des Civic Centres gefahren. Bis in den zehnten Stock zumindest die letzten drei mussten wir zu Fuß gehen. In dem Turm selber gibt es ein Glockenspiel, das zum einen automatisch funktioniert aber zum anderen auch über Tasten individuell gespielt werden kann. Eigentlich sollte jemand vorbeikommen und spielen aber leider tauchte der nicht auf. Die Aussicht von dem Turm war echt toll. Als ich die Tour auswählte habe nicht ganz realisiert das wir darauf gehen würden und hatte deshalb mein Spiegelreflex nicht dabei gehabt. Da habe ich mich doch sehr geärgert. Jetzt muss ich wieder ein Jahr warten bis ich wieder rauf kann, denn die Besteigung gibt es nur im Rahmen einer solchen Tour und die findet nur einmal jährlich statt.

Danach wurden uns noch einige andere Räume gezeigt und die meisten sahen typisch 60er aus. Frei nach Pater Brown: Hübsch-Hässlich habt Ihr es hier! In einem dieser Räum gab es dann noch ein Modell der Stadt das für Planungen bei Neubauten genutzt wurde. Im Gleich Raum war dann auch noch eine Wendeltreppe, die komplett aus einem Stück gegossen war.

Das war dann auch mein Ausflug in das Civic Centre von Newcastle. Toll war hingegen, dass ich auf der Tour einen anderen Deutschen kennen lernte. Er ist sogar Aachener, aber mit zwei Jahren weg gezogen. Jetzt wohnt er mit seiner Frau, die aus South Shields kommt (war ja irgendwie klar) in Newcastle.

Der nächste Artikel kommt in einer Woche.