Mieten, Stress und Leben

Wie ich schon geschrieben habe bin ich am Mittwoch (27.07.2016) in meine neue Wohnung gezogen. Diese ist sehr zentral und gerade mal 2,5 Gehminuten von der Arbeit entfernt. Mein Freund Eamonn hat mir sehr geholfen, da er sein Auto sowie seine Hilfe zum Umzug anbot. Wir konnten mit zwei Touren schon einen Großteil rüber bringen.

Am Donnerstagmorgen (28.07.2016) bin ich morgens vor der Arbeit zu der Vermietungs-Agency gegangen um meinen neuen Mietvertrag zu unterschrieben. Danach hatte ich zum Glück eine Sorge weniger. Nach der Arbeit bin ich dann zu der Abschiedsparty von meiner Österreichischen Kollegin aus dem deutschen Team gegangen. Sie hatte im Franciscan Well einen Tisch gebucht. Dort habe ich das saisonale Bier dieser lokalen Brauerei gegönnt. Es schmeckte mir sehr gut, aber auch kein Wunder, es war ein Pils. Wir hatten einen tollen Abend verlebt und ich lernte eine andere Österreicherin, Bea, kennen deren Freund Ostbelgier ist. Was für Zufälle es gibt. Da die Pizza im Franciscan Well ziemlich gut ist habe ich mir eine Quattro Formaggi mit extra Parmaschinken bestellt. Zum Glück wollte ich nicht lange bleiben und kam schon um 2 Uhr morgens ins Bett.

Am Freitag (29.07.2016) war ich dann ein wenig müde. Nach der Arbeit bin ich in die Rising Sons Brewery gegangen, dort traf ich Bea mit zwei Belgiern. Die jedoch nur zu Besuch waren. Ich bin zwischenzeitlich zu einer Apple Sommerparty gegangen, aber da mir das einfach zu viele Menschen waren und auch die Musik nicht wirklich gefiel bin ich nach 30 Minuten wieder gegangen. Ich traf die anderen dann im Oliver Plunkett. Das ist ein Pub den jeder Tourist mal gesehen haben sollte. Jeden Abend live Musik und Irish Dancing. Auf dem Weg zum Fionnbarra hielten wir kurz beim Fast Al’s für ein Stück Pizza. Das ist hier eine Kette, die bis mitten in die Nacht Pizza Stückweise verkauft. Keine Gourmetkost aber es erfüllt seinen Zweck. Im Fionnbarra war es sehr voll, da um die Ecke gerade eine Pride Party einer LBGT Organisation zu Ende ging. Aber wir bekamen noch einen Platz und haben sogar nochmal Julia getroffen. Nach dem einen Pint bin ich dann aber nach Hause gegangen, da Eamonn mich um 08:00 treffen wollte um die letzten Sachen in die neue Wohnung zu fahren.

Den Samstag (30.07.2016) begann ich also sehr früh um pünktlich in meiner alten Wohnung des Grauens zu sein. Wir haben es geschafft den gesamten Rest ins Auto zu bekommen und ich habe dann das Fahrrad genommen. Eamonn und ich kamen ungefähr gleichzeitig bei der Wohnung an, da zwischendrin meine Bremse meinte streiken zu müssen. Nachdem dann alles in der Wohnung war, war ich froh, dass das soweit erledigt war. In der alten Wohnung war nur noch Reinigungsmaterial. Eigentlich wollte ich danach wieder dorthin und die Endreinigung machen, aber mich packte die Faulheit. So bin ich dann um 11:30 zum späten Frühstück in den Pub und danach wieder nachhause gegangen. Nachmittags habe ich Yasmin und ihren Mann Frank getroffen und wir sind ins Kino gegangen. Mit einem ihrer Freunde haben wir uns Star Trek Beyond angeschaut. Ich hatte echt Angst vor dem Film. Denn der Regisseur war der, der auch die Fast and Furious Filme gemacht hat und der Trailer sah genauso aus. Aber zum Glück war der Film ganz anders als der Trailer und ein richtig guter dritter Teil. Die Story war logisch und ausgewogen mit dem richtigen Maß an Action, Spannung und Komödie. Der zweite Film, den wir sahen, war Jason Bourne. Hierzu ist dann auch mein Mitbewohner Alex zu uns gestoßen. Der Film ist eine echt gute Erweiterung. Vor allem weil die wackelig aufgenommenen Kampfszenen zurück geschraubt wurden. Nur die letzte Verfolgungsjagd war ein wenig zu viel des Guten.

Am Sonntag (31.07.2016) hatte ich bis 10 Uhr durchgeschlafen. Länger als ich eigentlich wollte. Ich bin dann erstmal zum Ó Conaill Chocolate Shop gegangen. Nach einem Spaziergang durch die Stadt habe ich bei Starbucks eingekauft und habe Yasmin auf der Arbeit besucht, die hatte an dem Wochenende Sonntagsschicht. Nachmittags bin ich dann zur alten Wohnung zum Putzen. Dafür musste ich mich durch die volle Innenstadt drängen. Es war Pride Parade durch die Stadt und Pride Party auf der Grand Parade. Das ist jetzt die dritte Pride Parade, in die ich in den letzten 5 Wochen reingelaufen bin. Irgendwie ziehe ich die Dinger an. Dann ging der Putzmarathon los. Als ich ein paar Stunden später fertig war, hat die Wohnung geglänzt wie nie zuvor, denn als ich einzog war die wegen der Renovierung gänzlich verdreckt. Abends war ich dann doch rechtschaffend fertig.

Montag (01.08.2016) war hier August Bank Holiday, der ist immer am ersten Augustmontag. Dadurch war auch die Agency der Wohnung nicht besetzt. Am Dienstag (02.08.2016) schrieb ich dann eine Email wegen der Abnahme, doch ich bekam keine Antwort. Darum rief ich Dienstagnachmittag an, nur um gesagt zu bekommen, dass die Kollegin gerade in meine Wohnung sei. Ich bekam ihre Nummer und rief sie an. Sie meinte, dass sie das ganze Wochenende versucht habe mich zu erreichen, aber die Nummer nicht mehr aktiv sei. Ich habe der Agency vor 8 Monaten meine neue Nummer mitgeteilt. Effektiv ist man hier schon. Sie sagte, dass alles okay sei nur, dass ich das Badezimmer auch putzen müsse, da es klitschnass und dreckig sei. Ich meinte nur, dass ich am Sonntag alles geputzt habe und alles trocken gewesen sei und dass das ein weiterer Rohrbruch sein müsse. Sie sagte dann: „Oh ja, das stimmt das Wasser läuft gerade an der Lampe runter“. So viel zu dem Versprechen, dass nun alles repariert sei!!! That’s irish quality for you! Aber trotzdem hatte die Dame was zu beanstanden. Sie könne die Wohnung so nicht abnehmen; Die Schränke müssten nochmal geputzt werden. Entschuldigen bitte, wie meinen??? Die Wohnung ist in den letzten Zwei Wochen mehrfach und auch heute mit Abwasser geflutet worden und Ihr wollt, dass ich die Schränke auswischen komme??? Die meinte das ernst und ließ durchklingen, dass wenn ich meine Kaution wieder haben wollen würde ich das schnellst möglich erledigen sollte. Also nach der Arbeit kurz nach Hause, Eimer und Putzutensilien geholt und wieder auf zur Wohnung des Grauens. Ich habe dann binnen 2 Stunden alle Schänke ausgewischt. Wobei das entweder nur Staub war, oder die Flecken durch Schimmel verursacht wurden und nicht wegzukriegen waren. Ich habe mir dann auch das Badezimmer angeschaut. Das Wasser lief nicht nur von der Lampe sondern auch die Wände herunter. Dazu führte es zu Kurzschlüssen. Die automatische Badezimmerlampe ging an und aus wie es ihr passte und die elektrische Dusche war an obwohl sie laut Schalter ausgeschaltet war. Ich habe mich von dieser Todesfalle weit möglichst fern gehalten. Nach dem Putzen rief ich die Inspektionsdame an und sie meinte ich solle die Schlüssel in der Wohnung lassen, sie würden die dann abholen. Öhm, wie wäre es mit NEIN! Die Iren sind echt ein seltsamer Haufen. Ich habe ihr gesagt, dass ich die Schlüssel am Donnerstagmorgen persönlich in der Agency abgeben werde. Das hat sie klugerweise so hingenommen.

Also bin ich Donnerstagmorgen (04.08.2016) zur Agency gegangen um mir die Übergabe der Schlüssel quittieren zu lassen. Jetzt muss ich nur noch darauf hoffen meine Kaution zurück zu bekommen. Das wäre ein Wunder wenn das ohne Kampf und Anwälte passieren würde. Irische Agenturen sind dafür bekannt die kuriosesten Gründe zu erfinden nur um die Kaution nicht zurückgeben zu müssen, speziell weil viele Ausländer, wie ich, die Rechtslage nicht kennen. Ich werde mich aber mit jedem erdenklichen Mittel wehren, falls nötig. Ich habe mich auch schon informiert. Es gibt hier die Agentur, Threshold, die nur auf so was spezialisiert ist. Aber wisst Ihr was die Größte Ironie ist? Meine neue Wohnung wird auch von denen Verwaltet. Nach der Arbeit bin ich zur Abschiedsparty meiner Teamkollegen Mathieu und Romaric gegangen. Es war ein schöner Abend und ich bin traurig, dass die zwei weg sind. Speziell Romaric, denn auch wenn er Walone ist bin ich jetzt wieder der einzige Belgistani im Team.

Update (08.08.2015) überraschender Weise habe ich doch wirklich bereits meine Kaution zurück bekommen.