Whisky Fair Rhein-Ruhr 2015

Als Whisky-Liebhaber gibt es für mich Tage im Kalender, die besonders dick unterstrichen sind. Whisky-Messen zählen z.B. eindeutig zu solchen Terminen, von denen die Whisky Fair Rhein-Ruhr seit 2015 sogar noch heraussticht.

Ein Grund hierfür ist die tolle Location. Die Classic Remise, ein restaurierter Ringlokschuppen, der voll von den schönsten und beeindruckendsten Old-Timern ist, bietet sogar für einen Kölner gute Gründe den Weg nach Düsseldorf anzutreten.

Nachdem wir am Eingang uns unsere Gläser (waren im Eintritt von 10€ mit dabei) abgeholt hatten, betraten wir die Haupthalle, die am Samstagmittag noch erfreulich wenig überlaufen war. Hier ging es dann mit dem los, was ich an den Messen so sehr liebe: man sieht und probiert Whiskys, die man noch nicht kennt oder sonst nie zum probieren bekommen würde. Dazu kommen noch die Gespräche mit den Leuten hinter und vor den Tresen. Man tauscht Meinungen und Empfehlungen aus und geht so nie mit leeren Händen nach Hause (und das nicht nur wegen den Whiskys, die man plötzlich einfach kaufen MUSSTE).

Mut, der belohnt wurde

Mich zog es zu allererst an einen Stand der Whiskyexperts.net. Diese hatten eine breite und interessante Auswahl an Whiskys zu bieten. Hier kam ich direkt ins Gespräch und wurde gefragt, ob ich mit etwas Mut einen noch ungeöffneten Blend aus den 80ern probieren mag. „Den kennen wir selber nicht, da kann von Himmel bis Körperverletzung alles drin sein“. Diesem Abenteuer konnte ich natürlich nicht widerstehen. Ich hatte das „Ja klar, gerne!“ noch gar nicht komplett ausgesprochen, da wurden auf einmal um mich herum die Kameras gezückt. Während die Kameras klickten schüttete man mir den unbekannten Bell Blend ein und nach dem ersten Schluck stand mein Urteil schon fest: gar nicht mal so gut! Zwar keine Körperverletzung, aber leider doch etwas bissig, sprittig und wenig sympathisch. Schnell nahm man am Stand ebenfalls einen Probeschluck und griff nach diesem sofort zu einer anderen Flasche, die ich nicht identifizieren konnte. „Dann probieren’s als Wiedergutmachung mal den hier“ kamen mir die Worte in einem Wiener Dialekt, zusammen mit einem Whiskyglas entgegen. Beim Riechen und dem ersten Schluck entfuhr mir ein „der ist was ganz anderes!“. Als ich eine leichte Rauchnote, gepaart mit dunklen Früchten und kräftigen Gewürzen vernahm, stand mein Urteil endgültig fest, welches ich aber vorsichtig formulierte: „Ja, der ist eindeutig mein Freund!“. Grinsend holte der Wiener eine Flasche hinter seinem Rücken hervor und sagte ganz trocken „Du hast grad‘ den Odin getrunken!“ Der Odin, das Marketing-technische Flaggschiff der Highland Park Destillerie, der momentan einen extremen Hype auslöst. Ein paar Stände weiter stand er aufgebaut, in aufwändigen Holzkonstruktionen. Der Preis: nicht unter 600€, Tendenz stark steigend. Natürlich ist er die 600€ nicht Wert… das ist kein Whisky. Aber zwei Dinge standen nun für mich fest:
1. Der Hype ist nicht ganz ungerechtfertigt und
2. Die haben mir die Messe versaut! Was für eine Steigerung konnte jetzt noch kommen?!?

Mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht machte ich mich auf, die anderen Stände zu besuchen. Die Mischung stimmte. Neben den Vertretern der Destillerien, gab es zahlreiche Distributoren, Händler und unabhängige Abfüller. Die Schotten waren natürlich deutlich in der Überzahl, aber auch die Iren, im besonderen Teeling, waren gut vertreten. Der dritte Dram des Tages sollte dann ein Auchentoshan Three Wood sein, aber auch dieser schaffte es nicht, mich mit dieser Marke zu versöhnen. Der Talisker Port Ruighe traf da schon viel eher meinen Geschmack.

Kilchoman: eine Liebeserklärung

Schließlich wurde es Zeit die Tasting-Karten einzulösen, welche ich im Voraus gekauft hatte. Eine einstündige Präsentation und Verkostung von Alba Imports, dem deutschen Importeur von Kilchoman stand an. Kilchoman… nicht nur, dass diese Destillerie auf meiner absoluten Lieblings-Whisky-Insel Islay steht.. nein, sie gehört auch zu den Betrieben, die mir vom ganzen Konzept her am sympathischsten sind. Umso größer war meine Freude, als ich sah, dass George Wills, einer der drei Söhne vom Gründer das Tasting leitete. Volltreffer! Zuhause hatte ich bereits eine Flasche mit den Unterschriften von Peter und James, schon bald folgte also eine Unterschrift von George.

Das Tasting war ein tolles Erlebnis. Mit schottischem Humor und Understatement führte George uns durch die Pläne und neuen Releases von Kilchoman und erzählte zwischendurch auch ein paar tragisch-komische Anekdoten, z.B. vom Brand des Kiln, als die drei Brüder lieber das spannende Rugby-Spiel im TV weiter verfolgten, als nach dem Räucherprozess zu schauen. Hinterher wurde demokratisch per Mehrheitsentschluss entschieden wer schuld war: es traf James, den jüngsten der drei. Getastet wurde das 2015er Release des Machir Bay. Obwohl dies schon nicht korrekt ausgedrückt ist, denn zum ersten Mal steht die Jahresangabe nicht mehr auf der Flasche. Man hat entschieden, dass das endgültige Aroma, was dieser Whisky von nun an stetig beibehalten soll, gefunden worden ist. Ich kann nur sagen: alles richtig gemacht!
Einen deutliche Verbesserung zum Vorjahr konnte ich beim 100% Islay (5th Edition) feststellen. Dieser ist nicht ganz so rauchig wie der Machir Bay, hat dafür mehr Getreide und Vanille-Noten. Was diesen Tropfen noch interessanter macht, ist, dass alle Zutaten von der Insel Islay sind und sämtliche Herstellungsprozesse ebenfalls dort ablaufen. D.h. kein Zukauf von Gerste vom „Festland“, sondern Anbau auf der kleinen Insel selber und auch die Fässer werden nirgendwo anders gelagert. Ein tolles Konzept, was den Eindruck einer kleinen, traditionellen und familiären Destillerie mit vergleichsweise winzigen Produktionsmengen unterstreicht. Der danach zu kostende Loch Gorm fiel für mich da vollkommen aus der Reihe. Ich fand ihn zu unausgewogen. In der Nase ist der Torf kaum zu riechen, aber Sekunden nach dem ersten Schluck überfällt dieser einen Hinterrücks und viel zu stark und unangenehm. Auch von meiner Lieblingsdestillerie gefällt mir also auch nicht jeder Whisky. Zum Abschluss gab es noch den neuen Bramble-Liquour, der erst Monate später auf den Markt kommen soll. Nach dem ersten Glas von diesem sanften, aber aromatischen Liquour wusste ich aber schon sehr schnell, dass das eine lange, lange Wartezeit werden wird!

Zum Schluss die Sherry-Bomb

Vom Tasting zurück, ging es erst mal wieder zu den freundlichen Leuten der Whiskyexperts. Mit diesen wollte ich ja noch Schlitten fahren. Ich baute mich also vor ihnen auf und sagte nur „wisst Ihr eigentlich, dass Ihr mir die Messe hier ordentlich versaut habt mit eurem Odin?!?“ Der jüngste aus der Truppe lächelte nur und meinte, dass er das sofort wieder gut machen würde. Er schleppte mich an einen Stand, an dem es Whisky gab, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Michel Couvreur. Whisky aus Frankreich? Ach, komm! Er erklärte mir, dass dieser Monsieur aus Burgund Whisky-Destillat aus Schottland kauft und diesen dann in alten Sherry-Fässern zur Reife bringt. Mir wurde der Candid oder der Special Vatting empfohlen. Von letzterem probierte ich dann auch. Was für eine Geschmacksexplosion! Sherry-Noten, wie ich sie noch gar nicht kannte und ein unvergleichbares Aroma. Das Burgund-Experiment ist eindeutig geglückt.
Und liebe Whiskyexperts, wenn ihr das hier lesen solltet: Ihr habt mir den perfekten Einstieg und einen bombastischen Abschluss dieses Tages geliefert! Ich hoffe, ich habe für Euch im Gegenzug nun genügend Schleichwerbung gemacht! 😉

Zum Abend hin füllte sich die Messehalle zusehends und das gemütliche Schlendern, Schauen und Unterhalten wurde immer schwieriger. Gut, dass ich meine Wunschliste bereits abgearbeitet hatte. Meine Erwartungen an diese Messe wurden klar übertroffen und ich möchte diese auch wärmstens weiter empfehlen. Ich werde jedenfalls auch 2016 den dicken Strichen in meinem Kalender folgen. Wer ebenfalls Lust und Laune hat, der kann sich ja mal melden….

http://www.whisky-messe-rheinruhr.de/
http://whiskyexperts.net/erste-eindruecke-von-der-whisky-fair-rhein-ruhr/
http://whiskyexperts.net/whisky-fair-rhein-ruhr-unsere-eindruecke-in-bildern/
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/1500-whisky-fans-liessen-es-sich-schmecken-aid-1.5010050