Ein Edinburgh Wochenende der Extraklasse eine Geschichte in 4 Teilen, Teil 2

Den Samstag (26.09.2015) begannen wir um 09:00 mit einem Full Scottisch Breakfast in einem Close an der Royal Mile Höhe Lawnmarket. Zur Erklärung: Royal Mile ist kein Straßenname in dem Sinne sondern eine Oberbegriff für die Straße, die oben vom Castle bis runter zum Holly Rood Palace läuft und knapp ein Meile lang ist. Aber jeder Abschnitt hat einen eigenen Straßennamen. Der oberste Teil zwischen Castle Esplanade und dem Kreisverkehr heißt Castle Hill, der nächste heißt Lawnmarket, usw. Zurück zum Frühstück. Es war lecker, ausreichend und genau, dass was man für eine Tour durch Edinburgh braucht am Start des Tages. Wir hatten dazu noch richtig Glücke, dann an dem Tag war in Edinburgh das Doors Open Weekend, also deren Tag des offenen Denkmals. Als erstes sind wir ins John Knox Haus etwas weiter unten auf der Royal Mile gegangen. John Knox war ein Reformator, der sich ein wenig mit Mary Queen of Scots angelegt hatte, was am Ende beiden nicht gut tat. Dazu hatten wir echt Glück denn es gab nur 30 Freie Karten alle 30 Minuten andere mussten entweder warten oder bezahlen. Der nächste Stopp war die Canongate Kirk mit den Kirkyards. Eine ziemlich heftig gesäuberte Kirche ohne jeglichen Schmuck. Der Friedhof war um einiges schöner. Weiter ging es zu einem Gebäude der Edinburgh University, das die Playfair Library Hall beherbergt. Tolles Gebäude, aber die Bibliothek war eher 08 15 in meinen Augen. Ich habe wohl schon zu viele historische Bibliotheken gesehen. Unser nächster Stopp war wieder ein Teil der Uni. Micha wollte gerne in das anatomische Museum. Um ehrlich zu sein wollte ich da auch immer mal rein. Denn dort wird das Skelet des berüchtigten Serienmörders William Burke Ausgestellt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war Edinburgh das Zentrum um Medizin zu studieren. Durch den hohen Andrang an Studenten war natürlich schnell ein Mangel an Körpern für die Anatomie Studenten erreicht. Dazu kam es dann auch noch, dass immer weniger Kriminelle hingerichtet wurden, denn alle hingerichteten durften dann an den Unis zu Lehrzwecken verwandt werden. Im Jahr 1828 wohnte William Burke in der Herberge von Margarte Laird und lernte William Hare kennen. In dem Jahr starb dann auch ein Mieter und blieb Laird so 4 Pfund schuldig. Burke und Hare verkauften den Körper an Dr. Robert Knox für 7 Pfund und 10 Shilling was heute über 710 Euro sind. Dies brachte die beiden auf die Idee das ganze professionell aufzustellen. Insgesamt brachten die zwei Williams in 10 Monaten 16 Menschen um, denn frische Leichen brachten mehr als alte. Damit man nicht sah, dass es Mordopfer waren entwickelte Burke eine eigene Methode: Das Burking. Dabei setzte er sich auch den Brustkorb des Opfers und hielt ihm Mund und Nase zu. Oh Auld Reekie what a fair City. Als wir in den Innenhof des Uni Gebäudes gingen fragte ich einen Angestellten wo wir lang müssten und er zeigte uns die Richtung. Leider hatte ich seine Verabschiedung nicht mehr gehört, aber Kai erzählte mir, dass er mir den vulkanischen Gruß „Live long and Prosper“ wünschte. Ja, ich hatte mal wieder mein Star Trek T-Shirt an. Diese Ausstellung war interessant wie die meisten dieser Ausstellungen aber auch wieder sehr ähnlich zu denen, die ich bereits besucht habe. Interessant war auch eine mumifizierte Moorleiche. Das schlimmste an der waren die zweie Modepüpchen, die mir gegenüber standen und sagten: „urgg, that’s disgusting“. Wenn sowas wie die unsere Zukunft sind, dann weiß ich nicht ob die erlebenswert ist.

Als nächstes hatten wir noch ein Uni Gebäude of dem Plan, dass sich ‘On the Mound‘ befindet. Doch bevor wir dort ankamen sind wir noch in die India Buildings eingebogen. Ich kannte Teile des Gebäudes schon vom Fringe, aber nur den unteren Teil. Also sind wir rein uns hoch ins Atrium, welches einen gewissen Gefängnis Charakter vermittelte. Da ich ja sehr neugierig bin öffne ich immer wieder Türen und wenn ich irgendwo bin, wo ich nicht sein sollte spiele ich die Dummer Tourist Karte. Auch hier bin ich einfach durch jede Tür, die ich finden konnte und dann kamen sogar noch mehr Treppen und ich mag Treppen. Also ging es hoch und da war dann noch eine Treppe und die wendelte sich sogar. Als wir dann ganz oben waren, 6. Stock, standen wir in einem Turmzimmer mit einem Umlauf außen rum. Natürlich kletterten wir aus dem Fenster und sind Außen rum gelaufen. Was ein toller Ausblick. Wir haben im Westen direkt das Castle aber auch die Firth of Forth Bridge sehen können, im Süden bis zu den Pentlands und im Osten bis nach North Berwick, halb verdeckt durch Arthur‘s Seat, und natürlich alles was von Edinburgh dazwischen lag. Dieser Ausblick war wirklich eine Große Überraschung. Der nächste halt war dann der, den wir eigentlich geplant hatten. Was ich durch temporäre Amnesie vergessen hatte ist, dass in dem Gebäude ‘On The Mound‘ (Generell Assembly Hall der Church of Scotland) 1999 das erste Mal das schottisch Parlament zusammen getreten und von der Queen eröffnet worden ist. Tolles Gebäude, schön alt und wieder der beste Beweis dafür, dass deutsche Uni Gebäude zwar effektiv aber auch total langweilig sind. Da der Nachmittag schon weit fortgeschritten war wollten wir irgendwo Tee einnehmen. Im Jenners gab es leider keinen High Tea und keine Scones mehr. Deswegen hatten wir uns dann Zeitweise getrennt, da meine Mum Scones wollte. In einem kleine Cafe am Hinterausgang vom Jenners gab es dann noch einen Rosinen Scone und so hatten wir uns dort niedergelassen. Frisch aufgetankt ging es dann wieder weiter durch die New Town, bis wir uns im Jekyll and Hyde niederließen. Das ist ein Pub der ganz nach Art der alten Horror Filme eingerichtet ist. Dazu sind die Toiletten nur den wissenden zugänglich, denn die findet man nur wenn man weiß welche Seite eines Bücherregals man öffnen muss. Das sind gut versteckte Geheimtüren. Dort haben wir dann auch unser Diner eingenommen. Denn die haben ein tolles Angebot: zwei Hauptgerichte für 8£. Das ist zwar dann eine begrenzte Auswahl von 6 Gerichten, aber da ist normalerweise für jeden was dabei. An dem Abend wurde auch England von Wales in letzter Minute beim Rugby Weltcup geschlagen.